Mit Dackel Elli zu allen vier Zipfeln Deutschlands.
Ein Stempel in Görlitz, ein besonderes Gefühl auf Sylt und eine ungeplante Fahrt per Anhalter: Jörg erzählt, wie er mit Dackel Elli die vier Zipfelorte Deutschlands bereist hat.
Auf die Idee, die vier Zipfelorte zu bereisen, brachte mich Christa, die ich zufällig beim Mammutmarsch in Wien kennengelernt hatte. Als ich im Juni 2025 mit meinem Bruder und meiner Dackeldame Elli in Görlitz auf den Spuren unserer Vorfahren unterwegs war, sah sie ein paar Bilder in meinem Status und erzählte mir vom Zipfelbund. Elli ist elf Jahre alt und kommt aus dem Tierheim. Wir wohnten im schönen Hotel Via Regia und machten uns gleich auf den Weg zur Touristinformation. Dort bekamen wir den Zipfelpass und unseren ersten Stempel.
Von Görlitz nach List und Selfkant
Über den Winter wuchs die Lust, auch die übrigen Zipfelorte zu besuchen. 2026 buchten wir deshalb ein paar Tage auf Sylt – von unserem Wohnort im Chiemgau aus liegt die Insel geografisch fast am anderen Ende Deutschlands. Am Ellenbogen zu stehen und „ganz oben“ zu sein, war ein besonderes Gefühl. Mit großer Freude und ein bisschen Stolz holten wir uns in List den zweiten Stempel.
Wenn wir schon so weit von zu Hause entfernt waren, wollten wir den Westzipfel gleich mitnehmen. Im Selfkant fanden wir es ziemlich lustig, mit dem Po in den Niederlanden und mit den Füßen in Deutschland zu stehen.
Ein langer Weg zum Südzipfel
Nun fehlte nur noch der südlichste Zipfel am Grenzstein 147 im Haldenwanger Eck. Dafür brauchten wir etwas mehr Planung. Elli und ich sind gut zu Fuß, aber der Weg vom Parkplatz an der Fellhornbahn durch das Rappenalptal bis zum Grenzstein und zurück wäre mit rund 18 Kilometern pro Strecke und mehr als tausend Höhenmetern für Mensch und Dackel an einem Tag zu viel gewesen.
Also ließen wir das Auto an der Fellhornbahn stehen, packten Proviant und das Nötigste für eine Übernachtung ein und nahmen den Bus nach Oberstdorf. Von dort ging es über Kempten und Füssen nach Pfronten. Leider erreichten wir den Schienenersatzverkehr nach Reutte viel zu spät und verpassten dort den letzten Bus nach Lechleiten bei Warth im Lechtal.
So standen wir an einem Sonntag um 18:30 Uhr in Reutte. Die einzige Lösung, die uns einfiel: trampen. Das hatte ich seit 35 Jahren nicht mehr gemacht – schon gar nicht mit Dackel. Vier Autos nahmen uns mit, immerhin bis nach Elbigenalp. Von Lechleiten trennten uns da noch etwa 30 Kilometer. Inzwischen war es dunkel, und ein 1,90 Meter großer Mann mit Dackel hatte kaum noch Aussicht auf eine Mitfahrgelegenheit.
Zu unserem Glück erreichte ich den örtlichen Busunternehmer und konnte ihn überzeugen, seinen Sonntagabend vor dem Fernseher für uns zu unterbrechen. Nach acht Stunden Reise kamen wir gegen 21 Uhr im Hotel Alpenrose an.
Endlich am Grenzstein
Am nächsten Morgen starteten wir kurz nach sieben Uhr. Der Weg war wunderschön: Ein Stück führte über den Lechweg, dann ging es über Weiden rund 500 Höhenmeter hinauf. Bald standen Elli und ich am ersehnten südlichsten Punkt Deutschlands. Das war ein erhebender Moment.
Nach dem alpinen Teil wanderten wir gemeinsam zurück bis zum Auto. Damit hatten wir alle vier Zipfelorte besucht – und vor allem eine Reise erlebt, die Elli und ich so schnell nicht vergessen werden.
Aufgezeichnet von Jörg Riedel im September 2026